„Manchmal muss man ziemlich tief graben, um zu erkennen, was eigentlich direkt vor einem liegt.“
Guten Morgen liebe Leserinnen und liebe Leser 🩷 Kennt ihr das? Ihr nehmt euch eine vermeintliche Kleinigkeit vor und stellt irgendwann fest, dass ihr euch damit gerade eine Beschäftigung ausgesucht habt, für die andere Menschen vermutlich einen Bagger bestellen würden?
Mir ging es gestern so. Und dabei hatte ich mir für meinen Samstag eigentlich gar nicht besonders viel vorgenommen. Zumal ich mich schon morgens nicht wirklich fit fühlte und irgendwie das unangenehme Gefühl hatte, dass da möglicherweise eine Erkältung im Anmarsch ist.
Was natürlich der ideale Zeitpunkt ist, um im Garten ein Loch zu graben. 🤣 Aber ich hatte da noch meine japanische Schirmtanne...
Die war ursprünglich ein Geschenk meiner Tante, stand seit einiger Zeit im Kübel und sah mittlerweile leider ziemlich mitgenommen aus. Sie hat unglaublich viele Nadeln verloren und machte insgesamt nicht mehr den Eindruck, als würde sie ihr Leben im Soutyhof besonders genießen.
Und weil ich mich von Pflanzen bekanntlich nur äußerst ungern verabschiede, habe ich beschlossen, ihr eine zweite Chance zu geben. Raus aus dem Kübel, rein in die Erde. Soweit der Plan.
Was ich allerdings nicht ausreichend bedacht hatte, war die Tatsache, dass dieser Kübel ziemlich groß ist. Und das Loch, in das die Schirmtanne hinein sollte, entsprechend ebenfalls. Also habe ich gebuddelt. Und gebuddelt. Und irgendwann noch ein bisschen weitergebuddelt.
Zwischendurch habe ich ernsthaft überlegt, ob ich versehentlich den Bau eines Swimmingpools begonnen hatte. Wobei das bei diesem Wetter wenigstens den Vorteil gehabt hätte, dass ich ihn vermutlich nicht mehr selbst mit Wasser hätte füllen müssen. 🤣
Irgendwann war das Loch jedenfalls groß genug. Dafür war ich anschließend ziemlich klein mit Hut. Denn jetzt musste dieses Riesenteil natürlich auch noch hinein. Wie genau ich das geschafft habe, kann ich euch im Nachhinein gar nicht mehr sagen. Es war jedenfalls eine Mischung aus Muskelkraft, Sturheit und der festen Überzeugung, dass ich jetzt ganz bestimmt nicht mehr aufgebe.
Und tatsächlich steht meine Schirmtanne inzwischen an ihrem neuen Platz. Ordentlich eingepflanzt, gut gewässert und mit einer hoffentlich etwas besseren Zukunft vor sich. Ihre Wurzeln waren übrigens erstaunlich überschaubar. Vielleicht hat sie sich in ihrem Kübel einfach nicht mehr wohlgefühlt. Vielleicht war der Standort nicht ideal. Vielleicht war es auch etwas ganz anderes. Ich weiß es nicht.
Aber ich hoffe sehr, dass sie sich wieder erholt. Immerhin hat sie jetzt eine neue Chance. Und ich habe Muskelkater. Das nenne ich eine faire Verteilung. 😉
Draußen war es währenddessen natürlich wieder maximal ungemütlich. Grau, nass, kalt und irgendwie einfach nur pfui und bäh. Ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber ich bin mit dem Herbst inzwischen einigermaßen fertig. Er offenbar noch nicht mit mir.
Immerhin gab es zwischendurch ein kleines, ausgesprochen unterhaltsames Meeting auf meiner Lieblingsbank, bei dem der Blödsinn natürlich auch nicht zu kurz kam. 😉
Anschließend war mein Akku allerdings endgültig leer. Ich fühlte mich zunehmend schlapp, mir war kalt und mein Körper schien ziemlich eindeutig der Meinung zu sein, dass ich für diesen Tag genug Unsinn angestellt hatte. Also habe ich Feierabend gemacht. Und zwar richtig. Um 19 Uhr lag ich bereits im Bett. An einem Samstagabend! Offenbar befinde ich mich auf dem besten Weg, meine Freizeitgestaltung der eines Murmeltiers anzupassen. Wobei das Murmeltier vermutlich schlauer gewesen wäre und das Loch im Garten jemand anderen hätte graben lassen. 🤣
Jedenfalls hatte ich mir vorgenommen, endlich einen Film anzuschauen, den mir eine Freundin empfohlen hatte.
„Er steht einfach nicht auf dich“.
Und wisst ihr was? Ich finde, jede Frau sollte diesen Film einmal gesehen haben, bevor sie überhaupt zum ersten Mal einen Mann datet. Am besten wäre er Pflichtprogramm. Irgendwo zwischen Sexualkunde und dem ersten ernsthaften Liebeskummer.
Ich bin ziemlich sicher, dass uns das einige schlaflose Nächte, unzählige Gespräche mit Freundinnen und vermutlich auch ein paar Flaschen Rotwein ersparen könnte. 🤣
In dem Film geht es um Menschen, die sich verlieben, sich Hoffnungen machen, die enttäuscht werden und dabei manchmal die erstaunlichsten Erklärungen für das Verhalten anderer finden. Und ich muss sagen, ich habe mich an der einen oder anderen Stelle durchaus ertappt gefühlt.
Da meldet sich ein Mann nicht... Vielleicht hat er gerade wahnsinnig viel zu tun... Vielleicht ist sein Handy kaputt... Vielleicht hat er Angst vor seinen Gefühlen... Vielleicht ist er einfach ein ganz besonders komplizierter Mensch, den man nur richtig verstehen muss.
Und ehe man sich versieht, hat man aus drei belanglosen Nachrichten, zwei Emojis und einer längeren Funkstille eine psychologische Fallstudie gemacht, die vermutlich für eine wissenschaftliche Veröffentlichung reichen würde.
Nur die eigentliche Frage hat man dabei erfolgreich umgangen: Was zeigt mir dieser Mensch denn tatsächlich?
Ich glaube, wir Frauen sind manchmal wirklich erstaunlich kreativ, wenn es darum geht, uns Dinge schönzureden. Und ich nehme mich da ausdrücklich nicht aus. Ganz im Gegenteil. Ich könnte vermutlich problemlos Fortbildungen dazu anbieten. 🤣
Besonders schön fand ich den Gedanken aus dem Film, dass wir uns gerne für die berühmte Ausnahme halten. Natürlich hat es bei anderen nicht funktioniert. Natürlich gibt es eindeutige Anzeichen. Aber bei uns ist das ganz bestimmt anders. Weil unsere Geschichte besonders ist. Weil wir uns besonders gut verstehen. Weil es da doch diese eine Situation gab, in der alles so wunderbar war.
Und vielleicht stimmt das sogar manchmal. Schließlich sind Menschen keine Maschinen, und das Leben hält sich bekanntlich nur äußerst selten an irgendwelche Regeln. Aber vielleicht sollte man auch nicht sein ganzes Glück davon abhängig machen, unbedingt diese eine Ausnahme sein zu wollen.
Ich fand den Film jedenfalls gleichzeitig lustig, traurig und ziemlich klug. Habe mehrfach gelacht, ein paar Déjà-vus erlebt und am Ende sogar ein bisschen geweint. Was vermutlich daran lag, dass ich mich ohnehin nicht besonders gut fühlte. Oder daran, dass der Film tatsächlich berührend war. Vermutlich von beidem etwas. 😉
Und irgendwann musste ich wieder an meine Schirmtanne denken.Der habe ich gestern mit ziemlich viel Mühe einen neuen Platz geschaffen. Weil ich sie mag, weil sie mir etwas bedeutet und weil ich hoffe, dass sie sich dort wieder erholt. Aber ob das tatsächlich funktioniert, weiß ich nicht. Ich kann ihr gute Bedingungen geben, mich um sie kümmern und ihr ein bisschen Zeit lassen. Wachsen muss sie allerdings selbst.
Und irgendwie ist das im Leben ja auch manchmal so. Man kann sich noch so viel Mühe geben, sich Gedanken machen, Verständnis haben und hoffen, dass etwas gut wird. Aber nicht alles liegt in der eigenen Hand. Manchmal hilft es vielleicht tatsächlich, weniger nach Erklärungen zu suchen und stattdessen genauer hinzuschauen, was eigentlich passiert.
Und manchmal muss man sich auch fragen, ob das, woran man so unbedingt festhalten möchte, einen überhaupt noch glücklich macht. Womit wir wieder bei meiner persönlichen Lieblingsbeschäftigung wären: der Suche nach dem Glück.
Ich glaube nämlich inzwischen, dass es dabei gar nicht so sehr darum geht, immer alles richtig zu machen oder jede Geschichte unbedingt zu einem Happy End zu bringen. Vielleicht geht es vielmehr darum, zu erkennen, was einem wirklich guttut. Und wo man sich wohlfühlt, ohne ständig darüber nachdenken zu müssen, ob man gerade etwas falsch macht.
Eine Erkenntnis, für die ich offensichtlich erst ein riesiges Loch graben und anschließend einen Film über komplizierte Beziehungen anschauen musste. Manchmal bin ich eben etwas schwer von Begriff. 🤣
Um 21 Uhr habe ich übrigens geschlafen. Mein Körper hatte offenbar endgültig beschlossen, dass es für diesen Samstag reicht. Und dem konnte ich ausnahmsweise nichts entgegensetzen.
Heute hoffe ich nun, dass meine Schirmtanne ihre zweite Chance nutzt, mein Körper sich wieder einigermaßen berappelt und das Wetter vielleicht irgendwann beschließt, nicht mehr ganz so widerlich zu sein.
Und falls ihr den Film noch nicht gesehen habt, kann ich ihn euch wirklich empfehlen. Gerade den Frauen unter euch. Vielleicht erkennt ihr euch an der einen oder anderen Stelle wieder. Vielleicht müsst ihr lachen - vielleicht auch ein bisschen weinen. Und möglicherweise nehmt ihr ja einen Gedanken daraus mit, der euch auf eurer eigenen Suche nach dem Glück weiterhilft.
Ich jedenfalls habe gestern einiges gelernt. Unter anderem, dass ich künftig vielleicht erst meinen Gesundheitszustand überprüfen sollte, bevor ich beschließe, einen halben Garten umzugraben. Aber das ist wieder eine andere Geschichte. 🤣
In diesem Sinne wünsche ich euch einen schönen Sonntag. Passt gut auf euch auf, verliert euren Humor nicht und denkt daran: Manchmal muss man gar nicht noch tiefer graben. Manchmal reicht es auch, einfach mal genauer hinzuschauen. ❤️
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