Von Schrauben, Schwaben und Zusammenhalt 💚

Veröffentlicht am 3. Oktober 2026 um 09:30

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser ❤️ Heute ist Samstag. Und nicht irgendeiner, sondern der Tag der Deutschen Einheit. Ich sitze zum ersten Mal seit einigen Tagen wieder mit meinem Morgenkaffee auf der Lieblingsbank und merke, dass dieses Wort heute Morgen ein bisschen in meinem Kopf herumspukt: Einheit...

Eigentlich ein ziemlich großes Wort für so einen Samstagmorgen im Kleingarten. Zumindest auf den ersten Blick. Aber ich habe ja auch ein paar Tage nicht geschrieben. Denn ich war mal wieder dienstlich unterwegs. Dieses Mal im schönen Schwabenland - genauer gesagt in Schwäbisch Gmünd. Dort war ich inzwischen schon einige Male und ich mag diese Stadt sehr. Vielleicht gerade deshalb, weil sie kein richtiges Großstadtflair hat. Alles ist ein bisschen überschaubarer, gemütlicher und für mich ziemlich angenehm.

Vor allem aber waren diese Tage voller Menschen und Begegnungen...

Ich habe Menschen getroffen, die ich bisher nur aus kleinen Ausschnitten in kleinen Kästchen auf meinem Bildschirm kannte. Plötzlich hatten sie Beine. Und waren größer oder kleiner als erwartet 😉

Ich habe neue Menschen kennengelernt, wunderbare Frauen getroffen und unglaublich viele Gespräche geführt. Ehrliche, lustige, nachdenkliche und manchmal überraschend persönliche Gespräche. Frauengespräche eben (und natürlich auch ein paar Männergespräche).

Einige davon arbeiten noch in mir. Da sind Gedanken entstanden, die noch nicht fertig gedacht sind und vermutlich irgendwann ihren Weg hierher finden werden. Vielleicht aber auch woandershin. Wer weiß das schon?

Ein Gedanke ist allerdings schon ziemlich deutlich und deshalb möchte ich ihn gerne mit euch teilen: Habt ihr schonmal darüber nachgedacht, we wenig wir eigentlich voneinander sehen?

Hinter jedem Gesicht steckt eine Geschichte - hinter jedem Lachen übrigens auch. Wir sehen eine Frisur, eine Figur, Schuhe, Kleidung oder Make-up. Wir sehen jemanden selbstbewusst durch einen Raum laufen und denken vielleicht: Die/der hat ihr/sein Leben aber ganz schön im Griff. Und wissen dabei nicht, welche Kämpfe sie oder er gerade führen (muss), welche Schraube gerade irgendwo locker sitzt.

Davon habe ich in den vergangenen Tagen übrigens auch die eine oder andere gefunden. Zum Glück gehört das zu meinem Job. 😉 Manche haben wir gemeinsam wieder ein bisschen angezogen. Bei anderen ging es eher darum herauszufinden, wo der passende Schraubenschlüssel liegt, damit die betreffende Person beim nächsten Mal selbst drankommt.

Ich mag diese Momente sehr. Und gerade in den letzten Tagen habe ich wieder einmal gedacht, wie viel Kraft wir Menschen eigentlich hätten, wenn wir aufhören würden, sie an den falschen Stellen zu verschwenden. Zum Beispiel damit, uns miteinander zu vergleichen. Oder an uns selbst zu zweifeln...

Gerade wir Frauen sind darin manchmal erschreckend gut. Schöner. Dünner. Jünger. Erfolgreicher. Selbstbewusster. Besser angezogen. Schlagfertiger. Dabei wird die eine Frau doch nicht weniger schön, nur weil die andere es auch ist. Niemand muss kleiner werden, damit jemand anderes größer sein kann. Und eine Frisur, eine Figur, ein Schuh oder ein Make-up erzählen ohnehin verdammt wenig über den Menschen, der darin steckt.

Ich habe in den vergangenen Tagen viele schöne Frauen kennengelernt. Und mit schön meine ich sehr viel mehr, als ein hübsches Gesicht. Ich meine Frauen, die lachen können. Die zuhören. Die zweifeln. Die klug sind und manchmal trotzdem nicht weiterwissen. Die ihre Geschichten mit sich herumtragen. Die andere stärken und selbst manchmal jemanden brauchen, der ihnen den Rücken stärkt.

Wie viel leichter wäre manches, wenn wir uns nicht ständig gegenseitig mustern, sondern einander öfter die Hand reichen würden? Wenn wir uns nicht vergleichen, sondern ergänzen. Wenn jeder für sich irgendwann sagen könnte: So bin ich.

Nicht perfekt. Nicht fertig. Nicht jeden Tag gleich stark. Aber ziemlich okay.

Denn ich glaube, dass genau das auch verändert, wie wir anderen Menschen begegnen. Wer nicht ständig gegen sich selbst kämpfen muss, hat viel mehr Kraft übrig, um andere stark sein zu lassen. Und da ist es plötzlich wieder, dieses Wort. Einheit. Nicht als Gleichheit - ganz im Gegenteil. Einheit entsteht für mich gerade dort, wo Unterschiedlichkeit bleiben darf und Verbindung trotzdem möglich ist.

Ich habe in Schwäbisch Gmünd sehr viel gelacht, lecker gegessen, unendlich viele Schritte gesammelt und meine Füße damit nachhaltig gegen mich aufgebracht. Ich habe auf einer Dachterrasse gesessen, tolle Gespräche geführt und vermutlich so viel geredet wie selten zuvor in meinem Leben. Und ich weiß. Ihr haltet den letzten Satz für unwahrscheinlich und maßlos übertrieben.st er aber nicht. 😉

Zwischendurch gab es Sonne, ein bisschen Regen und ziemlich viel Leben. Und heute Morgen sitze ich wieder hier. Morgenkaffee. Lieblingsbank. Garten. Sonne. Ruhe... 

Nach diesen vollen, lauten und wunderbaren Tagen fühlt sich die Ruhe fast ein bisschen ungewohnt an. Aber ich genieße sie gerade sehr 🩷

Später werde ich nach Frankreich fahren und einkaufen. Gestern Abend war ich einfach zu spät zurück, um Kühlschrank und Co. noch die nötige Aufmerksamkeit zu schenken. Deshalb ist heute Improvisieren angesagt. 

Und während ich hier sitze, denke ich noch einmal an dieses große Wort Einheit. Heute feiern wir die Deutsche Einheit. Und natürlich hat dieser Tag eine Geschichte und eine Bedeutung, die viel größer ist als meine paar Tage in Schwäbisch Gmünd. Aber das Wort gefällt mir heute auch im Kleinen.

Denn Einheit bedeutet nicht, dass wir alle dasselbe denken, dasselbe wollen, dasselbe können oder gleich aussehen müssen. Es bedeutet für mich, trotz all unserer Unterschiede verbunden zu sein.  Den Menschen gegenüber wirklich zu sehen - ncht nur seinen kleinen Kameraausschnitt.

Und zu wissen, dass wir alle unsere Geschichten mit uns herumtragen. Unsere lockeren Schrauben. Unsere Unsicherheiten. Unsere Stärken. Unsere Macken, unsere Sorgen und unser ganz eigenes schönes Durcheinander.

Wir müssen nicht gleich sein, um zusammenzugehören. Aber wir könnten aufhören, gegeneinander anzutreten. Und anfangen, einander ein bisschen öfter den Schraubenschlüssel zu reichen.

In diesem Sinne wünsche ich euch einen schönen Samstag und einen schönen Tag der Deutschen Einheit. Passt auf euch auf – und aufeinander ❤️

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