Guten Morgen liebe Leserinnen und liebe Leser 🫶 Kennt ihr das? Ihr wisst ganz genau, dass etwas irgendwann zu Ende geht, und trotzdem möchtet ihr diesen Moment am liebsten noch ein bisschen hinauszögern?
Gestern war es bei mir mal wieder so weit... Mein Gewächshaus musste leer geräumt werden. Und glaubt mir, das gehört definitiv nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen und macht mich jedes Mal wirklich traurig. Nicht, weil ich keine Lust aufs Aufräumen habe - sondern weil ich weiß, was es bedeutet.
Ich habe die letzten traurigen Gemüsepflanzen aus der Erde gezogen und auf den Kompost befördert (was der schlimme Teil der Übung ist), Töpfe sortiert, alles sauber gemacht und Stück für Stück weggeräumt, was mich durch den Frühling und den Sommer begleitet hatte. Besonders traurig fand ich dabei den Anblick der vielen kleinen grünen Tomaten, die noch an den Pflanzen hingen und es in diesem Jahr leider nicht mehr geschafft haben, reif zu werden.
Irgendwie taten sie mir richtig leid und waren ein Symbol für alles, was noch hätte werden können. Zumal meine Tomatenernte in diesem Jahr ohnehin ziemlich mau ausgefallen ist. Ich habe gegossen, gepflegt und mich gekümmert. Aber im Vergleich zu den Vorjahren war die Ausbeute wirklich enttäuschend. Und während ich die kläglichen Überreste betrachtet habe, habe ich sehr gehofft, dass meine Tomaten im nächsten Jahr wieder etwas spendabler sind. Schließlich hätte ich für meine Mühe schon gerne ein bisschen mehr als ein paar grüne Abschiedsgrüße. 🤣
Und wie passend, dass gestern ausgerechnet der "Tag der zweiten Chance" war. Ja, den gibt es tatsächlich. Er wird jedes Jahr am 17. Oktober gefeiert und kommt ursprünglich aus den USA. Dort heißt er "National Mulligan Day". Ein „Mulligan“ stammt aus dem Golfsport und bedeutet, dass ein misslungener Schlag ausnahmsweise wiederholt werden darf.
Übertragen aufs Leben heißt das: Nicht alles muss beim ersten Versuch gelingen. Manchmal verdient etwas einen zweiten Anlauf – mit neuen Erfahrungen, ein bisschen mehr Mut und vielleicht einer anderen Herangehensweise. Denn eine zweite Chance bedeutet nicht, alles genauso zu machen wie beim ersten Mal und auf ein anderes Ergebnis zu hoffen. 😉
Meine Tomaten bekommen ihre zweite Chance jedenfalls im nächsten Frühjahr. Und ich habe mir auch schon überlegt, was ich dann anders machen werde. Ich möchte mein Gewächshaus noch häufiger lüften, die Pflanzen besser befestigen und vielleicht auch mit etwas mehr Dünger nachhelfen. Natürlich bio! Denn eines habe ich in diesem Jahr gelernt: Wasser, Aufmerksamkeit und ganz viel Liebe reichen offensichtlich nicht immer aus. Manchmal braucht es eben auch ein bisschen zusätzliche Stärkung und die richtigen Bedingungen, damit etwas wachsen und gedeihen kann.
Und vielleicht ist das ja nicht nur bei Tomaten so. Überhaupt mag ich den Gedanken an zweite Chancen. Daran, dass nicht alles beim ersten Versuch gelingen muss und dass ein enttäuschendes Ergebnis nicht zwangsläufig das Ende bedeutet. Allerdings glaube ich auch, dass es wenig bringt, einfach nur auf ein besseres Ergebnis zu hoffen, wenn ich ansonsten alles genauso mache wie bisher.
Also werde ich im nächsten Frühjahr einiges anders versuchen. Ob meine Tomaten es mir danken werden, weiß ich natürlich noch nicht. Aber ich finde, sie haben eine zweite Chance verdient. Und ich irgendwie auch. 😉
Mit jedem weiteren Handgriff wurde mein Gewächshaus ein bisschen leerer. Und irgendwann stand ich davor und fand es einfach nur traurig. Jetzt ist sie also wirklich vorbei, meine geliebte Gartensaison. Zumindest der Teil, in dem alles wächst, blüht und nach Sommer aussieht.
Natürlich werde ich weiterhin jede freie Minute hier verbringen. Aber ein leeres Gewächshaus ist für mich so etwas wie ein ziemlich eindeutiges Abschiedsschild. Und ich hätte dieses Schild gerne noch eine Weile ignoriert.
Überhaupt fällt es mir bekanntlich schwer, mich von Dingen zu verabschieden, die mir viel bedeuten. Ich halte gerne fest. An schönen Momenten, an vertrauten Gewohnheiten und manchmal auch an Vorstellungen davon, wie etwas sein könnte. Selbst wenn ich längst merke, dass sich etwas verändert hat. Aber so funktioniert das Leben nun mal. Und mein Gewächshaus übrigens auch nicht immer so, wie ich mir das vorstelle. 🤣
Nach getaner Arbeit wurde es dann noch spontan kreativ. Zumindest für andere. Ich bin nämlich kurzerhand in der Malbar gelandet, wo Mathilda mit ihren Mädels beschäftigt war. Diesmal habe ich allerdings keinen Pinsel in die Hand genommen, sondern einfach ein bisschen zugeschaut und die Gesellschaft genossen. Auch schön, wenn ich mich ausnahmsweise nicht selbst entscheiden muss, welche Farbe wohin gehört.
Zurück im Garten habe ich es mir schließlich auf meiner Lieblingsbank gemütlich gemacht. Um mich herum wurde es langsam dunkel, die Luft war kühl und mein Garten sah schon ein kleines bisschen mehr nach Winter aus, als mir lieb ist.
Während ich dort saß, dachte ich noch einmal an mein leeres Gewächshaus. Wobei leer vermutlich ohnehin nur ein vorübergehender Zustand ist. In den nächsten Wochen werden dort wieder verschiedene Pflanzen, ein bisschen Deko und all die Dinge einziehen, die ich beim Wintersicher-Machen des Gartens irgendwo unterbringen muss. Und spätestens wenn ich anfange, weihnachtlich zu dekorieren, wird es dort vermutlich wieder ziemlich lebendig aussehen.
Vielleicht ist das ja auch eine schöne Erkenntnis: Nicht jeder freie Platz bleibt lange leer. Und nicht jedes Ende ist endgültig. Mein Gewächshaus ist jetzt jedenfalls aufgeräumt. Die Tomaten sind Geschichte, meine Pläne fürs nächste Frühjahr stehen schon halbwegs fest und ich bin gespannt, ob die zweite Chance tatsächlich bessere Früchte trägt.
Nur meine Lieblingsbank, die bleibt besetzt. Schließlich habe ich nicht vor, mich gemeinsam mit meinem Gewächshaus in den Winterschlaf zu verabschieden. 😉
Ich wünsche euch einen wunderschönen Sonntag. Und vielleicht findet ihr heute ja auch einen Moment, um es euch irgendwo richtig gemütlich zu machen. 💚
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